Das Interview

Georg, Schüler einer 8.Klasse Gymnasium in Wien, interviewte Contessa Juliette für eine Aufgabe seines Deutschprofessors:

G .Wie sind Sie auf die Idee gekommen ausgerechnet diesen Beruf auszuüben?

CJ. Ich habe aus meiner Neigung einen Beruf gemacht. Aber eigentlich, weil die Männer, mit denen ich mich traf um unentgeltlich S/M zu praktizieren, nur fordernd und unhöflich waren und ich mir dachte, dann müssen sie eben bezahlen.

G. Wie lange machen Sie diesen Beruf schon?

CJ. Mein Begleitservice Bizarr-Escort habe ich seit Mai 1998, meine Neigung lebe ich seit meinem 24. Lebensjahr mit meinen Partnern.

G. Hat es Ihnen Spaß gemacht, haben Sie sich dabei wohl gefühlt?

CJ. : Sehr großen Spaß, totale Erfüllung, habe mich nur mehr gesund, fröhlich, befreit gefühlt.

G. Vermissen Sie Ihren Beruf?

CJ. In welcher Hinsicht? Ich habe mich zurückgezogen, weil ich ein Buch (meine Memoiren) schreibe. Habe weiterhin Kontakt mit S/M-Freunden und mein Partner hat auch die „passende“ Neigung. Als Beruf vermisse ich es nicht, da sich in den letzten Jahren eine sehr ungute Entwicklung ergeben hat. Dies hängt vorwiegend mit unserer Gesellschaft zusammen. Näheres persönlich.

G. Sind Sie der Meinung es gäbe für Sie keinen besseren Beruf für Sie?

CJ. : Ich habe – was meine sexuelle Neigung betrifft – die absolute Erfüllung gehabt. Da ich aber beruflich andere Ausbildungen hatte, habe ich auch meine anderen Berufe zu meiner Neigung gemacht und dort Erfüllung, Erfolg und Geld gefunden.

G. Wann hatten Sie Ihren ersten „Kunden“ ?

CJ. Meinen ersten Kunden hatte ich im Mai 1998. Es war überraschenderweise ein Wiener, obwohl ich in einer schweizer Zeitung mein Bizarr-Escort inseriert hatte. Es war eine Begleitung in ein Restaurant, wo – mehr oder weniger vor den Augen der anderen Gäste – mein männl. Begleiter verbal und mit kleinen Handgriffen, Befehlen und Qualen von mir dominiert wurde. Ein tolles Erlebnis – für uns beide. Er erinnert sich noch heute, nach 12 Jahren an jedes Detail.

G. Hat der Tribut der Kunden gereicht um es sich „schön einzurichten“ (Also das Sie sich über Wasser halten können) oder hatten Sie noch einen Beruf?

CJ. Als ich mich entschloss, meine dominante Neigung auszuleben und dafür Geld zu verlangen, habe ich von Haus aus einen sehr hohen „Inklusivsatz“ gewählt. So wusste der Gast, wie viel er einstecken muss. Danach gab es keine Zuschläge mehr. Aufgrund meiner Art und der Tatsache, dass ich nicht aus dem Milieu sondern aus der Geschäftswelt komme, und mich sowohl vom Aussehen, Sprache, Niveau, Bildung, Benehmen sehr von anderen Dominas in Wien/Österreich unterschied, habe ich ein für damalige Begriffe hohes Honorar verlangt. Es gelang mir damit, das Preisniveau in Wien beachtlich anzuheben. Dieses Geld habe ich versteuert und dazu verwendet, meine Räumlichkeiten und Garderobe entsprechend auszubauen.
Dieses Einkommen war ein Nebeneinkommen, denn ich war Geschäftsinhaberin eines Handelsunternehmens, das bereits 1956 von meinem Vater gegründet worden war.

G. Bevorzugen Sie weibliche oder männliche Kunden?

CJ. Beides gleich gern, wobei manche männl. Sklaven eher meiner Vorstellung gerecht werden, dass ich total verwöhnt und verehrt werden möchte.

G. Falls männliche dann: Warum denken Sie dass mehr männliche als weibliche kommen?

CJ. Männer waren schon immer bereit, für ihre sexuellen Wünsche Geld auszugeben. Obwohl manche Frauen einen genau so starken Trieb haben, möchten sie immer noch das Gefühl haben, man macht es mit ihnen der „Liebe“ wegen. Nur wenn die Frau finanziell unabhängig ist, ein starkes Selbstbewusstsein hat, ist sie bereit in eine Studio zu gehen und sich dort ihre geheimen sexuellen Wünsche erfüllen zu lassen.

G. Mussten Sie etwas bestimmtes studieren um diesen Beruf auszuüben?

CJ. Ja, ich habe unzählige Seminare besucht (damals gab es das nur in Deutschland), Bücher, Belletristik gelesen. Viele Partys im Ausland besucht und dort genau aufgepasst. Mit Damen gesprochen, die schon als Domina gearbeitet haben oder intensive Beziehungen mit devoten Männern hatten. Meine Kenntnisse aus dem Privatbereich waren natürlich einseitig, da vorwiegend auf die Wünsche meiner Partner beschränkt gewesen. Auch spielt es in einer Privatbeziehung keine Rolle, wenn mal was falsch läuft oder beim Peitschen ein blauer Fleck bleibt.
Wenn ein Gast kommt, der zu Hause eine Partnerin hat – die davon nichts wissen darf – dann muss alles perfekt ablaufen! Keine Spuren! Außerdem zahlt er dafür und hat Anspruch auf eine perfekte Behandlung, eine perfekt gestylte Domina, die Utensilien die zu seiner Phantasie gehören usw. usw.

G. Könnten Sie sich vorstellen statt dominant devot zu sein? Also ihr leben neu leben aber devot?

CJ. Man soll niemals nie sagen. In jedem Menschen gibt es auch einen gewissen Prozentsatz des Gegenteils von dem, was man sonst lebt. Mein Problem ist das Fallenlassen. Und das Vertrauen. Ich bewundere meine Gäste, die mich zum ersten Mal besuchen und sich von mir fesseln, schlagen, anpissen lassen. Ich könnte das NIE! Da muss ich erst mal sicher sein, dass er mir nichts tut, wenn ich wehrlos bin. Das er wirklich aufhört, wenn ich das Codewort sage. Es wäre schön, wenn ich einen Freund hätte, der vielleicht im Bett kleine dominante Spiele machen würde (mir die Augen verbinden, die Hände ans Bett fesseln oder ähnl. Spielereien, aber nur zum Zweck mich dann auf irgendeine Art zum Orgasmus zu bringen.). Auf Schläge stehe ich sicherlich nicht oder auf Demütigungen, wie auf den Knien rumrutschen oder ihm gar die Füße zu küssen.

G. Haben Sie sich in Ihrer Kindheit vorgestellt so einen Beruf zu machen?

CJ. Ganz sicher habe ich mir nie gedacht, dass ich je als Domina arbeiten würde. Aber schon in jungen Jahren hat meine Oma, eine ungarische Gräfin, mit ihrer Dominanz den gesamten Haushalt und die Angestellten, kommandiert. Auch ihre Erscheinung war (ohne das mir das als Kind klar war) sehr dominant: schwarzes Haar, immer ganz hohe Stöckelschuhe, nur Korsagen (die schönsten, feinsten aus Spitze mit Seide unterlegt). Später dachte ich mir dann, dass sie wohl schon eine solche Neigung hatte. Sie ist aber gestorben, als ich 14 Jahre alt war – und da hatte ich noch keine Ahnung davon und hätte sie auch sicher nicht gefragt.

G. Konnten Sie sich vorstellen Menschen Schmerz,Erniedrigung,… zuzufügen?

CJ. Ich bin ein sanfter, mitfühlender Mensch. Absichtlich habe ich niemand Schmerzen zugefügt. Aber schon als Kind war ich immer ein Leader und habe meine Rechte (bzw. die Beschützerrolle) auch schon mal mit der Faust durchgesetzt.
Als ich jedoch mit dem Beruf begann, hatte ich keine Hemmung die Peitsche einzusetzen, Klammern zu setzen etc. Demütigungen entsprechen überhaupt nicht meiner persönlichen Einstellung der Menschlichkeit. Die Vorfälle im Irak haben mir fast den Magen umgedreht. Interessanterweise kann ich jedoch in der Situation einer Session voll in die Herrscherrolle gehen und problemlos jemand das Klo mit der Zahnbürste putzen lassen, bestrafen wo es eigentlich nichts zu bestrafen gibt, beschimpfen, bespucken, anpissen. Mein Wortschatz ist allerdings eher klein und oftmals nicht genug ordinär. Wenn grobe Beschimpfungen gewünscht werden, vermittle ich an eine Wiener Freundin weiter, die trotz ihrer feinen Herkunft offensichtlich mit anderen Personen während der Schulzeit in Berührung kam. Ihr zuzuhören, ist köstlich! Elegant, gebildet, gutaussehend, schimpft sie wie ein Rohrspatz.

G. Denken Sie es war ein Fehler diesen Beruf gewählt zu haben?

CJ. Absolut nicht! Ich habe mich so erfüllt gefühlt, wie nie zuvor in meinem Leben. Mein Selbstwertgefühl wurde durch die vielen Bewunderungen gestärkt und ich sehe heute kleine äußere Makel als Lächerlichkeit. Wenn eine Frau jammert, sie hat Cellulite oder starke Oberschenkel, kann ich ihr immer wieder nur beteuern, dass Männer viel lieber eine stärkere als eine zu dünne Frau mögen. Das eine Falte mehr oder weniger, graue Haare oder nicht, keine Rolle spielen. Sauber, gepflegt und selbstbewusst, das ist viel wichtiger, als ein kg. mehr oder weniger.
Heute, da ich mich mehr oder weniger zurückgezogen habe, bin ich froh, es nicht mehr professionell ausführen zu müssen. Das Niveau der Gäste fiel ständig, die Ansprüche waren nicht mehr an eine Domina gestellt, sondern an eine Dienstleisterin (am besten mit Sex – was eine richtige Domina nie anbietet). Mein Rücken, Knie und Füße sind von der schweren Arbeit und den Highheels sehr bedient. Ohne eine ständige Betreuung durch einen Psychotherapeuten hätte ich wahrscheinlich die an mich gestellten „Forderungen“ auch nicht erfüllen können bzw. wäre so wie manche andere Damen bei Alkohol oder Drogen gelandet. Ich hingegen, rauche nicht einmal.

G. Gibt es etwas dass Sie an diesem Beruf gereizt hat ? (positiv gereizt->also etwas was Sie immer dazu brachte weiterzumachen)?

CJ. : Die Abwechslung, das ich von Menschen das Intimste erfuhr, sie sich mir anvertrauten, ich sie mit meiner Behandlung wahrscheinlich sogar manchmal „geheilt“ habe, das positive Feedback, das ich erhielt; das Honorar, das mir Extras gestattete.

G. Waren Sie schon gleich beim Ersten Mal ein Profi oder hat Ihnen jemand unter die Arme gegriffen bzw. es Ihnen beigebracht?

CJ. Es hat mir NIEMAND unter die Arme gegriffen oder mir praktisch gezeigt, wie’s geht. Ausschließlich meine Seminare haben mir das Technische beigebracht. Wie ich formulieren soll, mein Auftreten, der Ablauf der Session ist ausschließlich meinem Gefühl und meiner Intuition zu danken. Immerhin ist dies so außergewöhnlich, dass ich die letzten Jahre auch Dominaschulungen abhielt.

G. Würden Sie ihr Leben noch einmal leben wollen? Um schöne Ereignisse noch einmal zu erleben?

CJ. Wieder als junge Frau ein Leben vor sich zu haben: ja
Wieder dieselben Erfahrungen machen müssen, um dorthin zu kommen, wo ich heute bin (sprich Erfahrung, Abgeklärtheit etc): nicht unbedingt S/M ist sicher nicht der Grund, weshalb ich nochmals leben wollte. Und schöne, aufregende, sexuelle Erlebnisse hatte ich auch ohne S/M.
Die Frage ist wirklich gut, denn selbst die schönen Erlebnisse lassen den Wunsch in mir nicht hochkommen, nochmals von vorne zu beginnen. Denn eigentlich stehe ich ja an einem neuen Anfang!

Das Interview

Georg, Schüler einer 8.Klasse Gymnasium in Wien, interviewte Contessa Juliette für eine Aufgabe seines Deutschprofessors: Weiterlesen

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.